25.9., Kapiti Island - ein Vogelparadies

Um 7:30 rufe ich weisungsgemäß den Skipper an, um mich zu vergewissern, dass die Tour tatsächlich stattfindet. Die Bootsfahrt zur Insel rüber ist zwar nicht sehr lang, aber die See wohl doch gelegentlich zu rauh für eine Überfahrt, sodass die Touren gelegentlich kurzfristig abgeblasen werden müssen. Heute findet sie aber statt.

Bei der Wahl meines Motels habe ich einen guten Riecher gehabt: Obwohl ich gestern nicht so genau wusste, wo ich eigentlich war, habe ich wohl das dem Boat Club nächstgelegene erwischt, das zu Fuß höchstens zwei Minuten entfernt liegt. Zu meiner Überraschung wird übrigens mitten in der Nacht um 8 bereits fleißig Golf gespielt auf dem Golfplatz, sodass ich beiim Frühstück die Golfer beobachten kann. Mein Auto darf ich freundlicherweise hier am Motel stehen lassen, als ich wie verabredet um 8:45 losgehe.

Der Skipper kassiert die 30 Dollar Fahrgeld und das Permit und wirft einen amtlichen Blick in meinen Rucksack, ob da auch keine Nagetiere drin sind, bevor er mich an Bord lässt. Das ist nämlich das Besondere an dieser Insel: Hier wurden im Laufe mehrerer Jahrzehnte diejenigen Tierarten wieder ausgerottet, die es ursprünglich in Neuseeland nicht gab und durch die die einheimische Tier- und Pflanzenwelt nach und nach ausgestorben ist. Als da wären Ratten, Possums, Katzen, aber auch alles vom Menschen eingebrachte Nutzvieh. Kann mir schon vorstellen, dass eine Horde Katzen nicht gut für Vögel ist, die mangels richtiger Flügel nur noch am Boden leben.

Das Boot liegt übrigens nicht im Wasser, sondern steht auf einem Anhänger auf einem Parkplatz, und leicht verwundert steige ich ein. Alle Boote, die ich bisher bestiegen habe, waren im Wasser. Dieses wird aber erst mit allen Passagieren drin runter zum Strand und dann langsam rückwärts ins Wasser gefahren. Wobei ich bemerke, dass das Wasser gefährlich hoch zu spritzen beginnt, als die Wellen gegen das Heck schlagen - wird die transparente Plastikplane, die das Boot umgibt, wohl dichthalten? Tut sie natürlich nicht, und ich kann die Kamera gerade so hochreißen und vor dem ersten Spritzer in Sicherheit zu bringen, um sie dann hastig in die eigens zu diesem Zweck mitgebrachte Plastiktüte und dann in den Rucksack zu stecken, bevor der nächste, größere Spritzer kommt, den man schon eher als Guss bezeichnen muss. Säß ich doch nur weiter vorne! Mit hochgehaltenem Rucksack überstehe ich das Ablegemanöver dann aber halbwegs trocken - jedenfalls an Oberkörper und Kamera.

Auf Kapiti Island gibt es nur das Nötigste für die Bedürfnisse der wenigen Touristen - ein Toilettenhäuschen und einen Unterstand mit ein paar erklärenden Schildern, das ist alles. Ach ja, und das Haus des Rangers, der dort anscheinend permament wohnt. Er hält uns, das sind außer mir so um die 15 Leute, einen halbstündigen Vortrag darüber, warum es so besonders wichtig ist, hier keine Vögel zu füttern, keinen Müll zurückzulassen und so weiter, und dann haben wir fünfeinhalb Stunden Zeit, die Insel zu erkunden. Zur Wahl stehen nur zwei Tracks: Einer auf den 524 Meter hohen Gipfel rauf und einer am Ufer entlang. Ich habe den Eindruck, alle entscheiden sich für den Gipfel. Vögel bekommt man wohl auf beiden Wegen reichlich zu sehen, aber vom Gipfel aus lockt eine schöne Aussicht auf Kapiti Island und aufs Festland.

Einige der hier angesiedelten Vogelarten haben sich laut dem Vortrag des Rangers prächtig vermehrt, sodass sie jetzt nicht mehr vom Aussterben bedroht sind. Von anderen gibt es immer noch nicht wirklich viele - beispielsweise Takahe weltweit nur etwas über 40, wenn ich mich recht erinnere, fast alle auf dieser Insel. Da sie nicht fliegen können, sollen sie sich am liebsten auf dem flachen Land aufhalten, also auf den Wiesen in der Nähe der Landestelle am Ufer oder auf dem Rasen vor dem Haus des Rangers. Diese Gegenden grase ich wie vermutlich auch alle anderen natürlich als erstes ab, denn Takahe scheinen schon witzige Viecher zu sein; ich habe in meinem Reiseführer schon ein Foto gesehen. Wir haben aber Pech - keine Takahe in Sicht.

Also geht es den Wanderweg entlang den Berg hinauf. Der Weg ist einigermaßen steil und vor allem ziemlich matschig. Schon nach wenigen Minuten bereue ich, keine vernünftigen Wanderschuhe mitgebracht zu haben. Ich habe zwar feste Schuhe an, und sie werden es sicher überstehen, aber es bleibt natürlich nicht aus, dass sie ziemlich dreckig werden. Egal, ich werde sie schon wieder sauber kriegen. Aber höhere Schuhe, die einen ein bisschen besser vor dem Umknicken schützen, wenn man so über Stock und Stein klettert, wären auf jeden Fall angemessen gewesen. Das merk ich mir für meinen nächsten Besuch auf Kapiti Island.

Schon seit Betreten der Insel kann man nicht überhören, dass dies ein Vogelschutzgebiet ist. So viele Vogelstimmen auf einem Haufen habe ich noch nie gehört; es zwitschert und trällert, dass es eine wahre Freude ist. Die Vögelchen tatsächlich zu sehen oder gar zu fotografieren, ist schon etwas schwieriger. Denn sie sind nicht gerade besonders interessiert daran, sich Touristen zu zeigen, wenn man mal von den neugierigen Kakas Foto dazu absieht, die es hier in Hülle und Fülle zu geben scheint und die laut dem Ranger darauf aus sind, den Touristen irgendwas Essbares zu stibitzen. Der Ranger hat daher ausdrücklich davor gewarnt, in Sichtweite eines Kaka irgendetwas zu essen; die Vögel sollen ziemlich rabiat und angstfrei auf Essen aller Art losgehen.

Im Prinzip ist es ganz einfach, hier Vögel zu sehen. Man muss einfach ruhig stehen bleiben und sich nicht bewegen, dann kommen sie schon irgendwann von ganz alleine vorbei. Ich brauche relativ lange, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen und vor allem, um drauf zu kommen, dass ich natürlich an einer Stelle auf die Vögel warten muss, die schön übersichtlich und gut ausgeleuchtet ist. Gutes Licht ist bekanntlich das Geheimnis jeglicher Fotografie, und ich habe an keinem Tag im Nachhinein so viele misslungene Fotos weggeworfen wie heute.

Ich halte mich relativ lange auf Vögel wartend auf den ersten paar hundert Metern des Weges auf, weil ich erstens so viel Spaß daran habe und man mir zweitens gesagt hat, dass es am Gipfel weniger Vögel zu sehen gibt. Überlege mir zwischendurch, ob ich überhaupt bis ganz nach oben will, aber die Aussicht, die sich schon auf halber Höhe bietet, lässt den Gipfel doch recht attraktiv erscheinen. So kommt es, dass ich die zweite Hälfte des Weges dann doch recht zügig aufsteige und dabei mächtig ins Schwitzen komme. Sind zwar nur 500 Höhenmeter, aber die wollen halt erstmal geklettert sein.

Was das Fotografieren betrifft, so bin ich schon während des Tages recht enttäuscht darüber, wie schlecht der Autofokus mit dem Teleobjektiv funktioniert und wie verdammt wenig Licht man im Wald doch hat. Beides scheint miteinander zusammenzuhängen, denn in der prallen Sonne areitet der Autofokus besser und die Bilder werden wegen der kleineren Blende auch schärfer. Gelegentlich kriegt der Autofokus das Vögelchen partout nicht zu fassen und ich versuche es manuell. Das hilft aber auch meist nichts ... am Abend muss ich mehr als zwei Drittel meiner Fotos als Ausschuss verwerfen. Eigentlich noch mehr, aber bei manchen unscharfen drück ich mir selber gegenüber ein Auge zu.

Das schönste Foto des Aufstiegs ist vermutlich dieses Foto dazu, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich hier den seltenen Black Robin oder irgendeinen Feld-, Wald- und Wiesen-Vogel erwischt habe. Vermutlich Letzteres, denn von diesen hier habe ich eine Menge gesehen und so schwarz ist er ja nicht. Ob es der Toutouwai auf dem Schild Foto dazu ist? Vermutlich.

Ansonsten kann ich vermelden, folgende Vögel erkannt und fotografiert zu haben: Tieke (aka Saddleback) Foto dazu (unscharf), Korimako Foto dazu, Hihi (aka Stitchbird) Foto dazu, Tui Foto dazu Foto dazu, Weka Foto dazu (gleich zwei, die sich mögen), Kakariki Foto dazu und Kereru Foto dazu.

Die Aussicht auf dem Gipfel Foto dazu zwischendurch war natürlich auch nett, aber kein wirklicher Vergleich mit dem Anblick all der schönen Vögelchen.

Wieder unten, laufe ich noch eine halbe Stunde lang auf den Wiesen herum, finde aber keine Takahe :-(. Fotografiere stattdessen am Strand ein paar, tja, äh, Möwen? Enten? Flugfähige Foto dazu Viecher jedenfalls, die im Wasser rumschwimmen Foto dazu.

Als ich mutlos nochmal Richtung Wiese gehe, kommen mir Leute entgegen, die mich ganz aufgeregt fragen, ob ich denn die Takahe gesehen habe? Sie seien auf dem Rasen vor dem Haus des Rangers. Ich spurte hin, und tatsächlich, da stolzieren drei davon herum Foto dazu. Habe ich sie also doch noch in meiner Sammlung die komischen Vögel Foto dazu.

Zurück an dem Unterstand, wo die Leute schon auf das Boot warten, beobachte ich noch zwei Kakas bei einem innigen Zungenkuss (Foto dazu und folgende) sowie einen Mann dabei, dass er entgegen der mehrfach schriftlich und mündlich ausgesprochenen Verbote den Kakas doch ein paar Nüsse gibt, woraufhin er sofort zwei Fans hat, die erst einmal nicht mehr von seiner Seite weichen Foto dazu. Ein dritter versucht noch, die Tüte mit den Nüssen zu knacken, die seine Frau gedankenlos (oder absichtlich) hervorschauen lässt Foto dazu. Es stimmt schon, was die Ranger sagen: Die Viecher sind recht rabiat, wenns ums Essen geht.

Ich käme zwar nicht auf die Idee, unter Naturschutz stehende Vögel zu füttern, mache mir die Situation dann aber doch zunutze, indem ich einem Kaka einfach mal einen Arm hinhalte. Denke mir, vielleicht denkt der Vogel ja, dass ich ihm auch was zu essen anbiete. Was immer der Vogel tatsächlich denkt, er kommt jedenfalls lange genug auf meinen Arm für ein Foto Foto dazu, um dann aber recht schnell wieder zu verschwinden, als es bei mir nichts zu holen gibt.

Und schon ist der Tag auf der Insel zu Ende. Die Rückfahrt verläuft weniger ruppig; der Wind hat sich gelegt und damit auch die Wellen. Ich fahre gen Norden, bis ich müde werde, was schon recht bald kurz vor Sonnenuntergang in der Mitte von Nirgendwo in einem Ort, ach, einer Kreuzung namens Sanson der Fall ist, wo die Nacht im Junction Motel dann auch nur 50 Dollar kostet. Und das einzige Essen am "Ort" ein Chinese Takeaway ist, wo das Kong-Po-Huhn zwar so heißt, aber fade schmeckt, dafür so reichlich ist, dass ich die Hälfte der Portion wegwerfen muss.

totemo tanoshii ichinichi deshita.

 

(Gästebuch außer Betrieb)     Inhaltsverzeichnis     weiter >


©2004 by Harald Bögeholz